Fragen und Antworten
Die hier gestellten Fragen tauchten auf während meiner
Vortragstätigkeit und ich habe sie nach meiner Erfahrung
und meiner Sicht zur Aufstellungsarbeit beantwortet. |
Wie erkenne ich einen guten Aufsteller, eine gute Aufstellerin?
Sollen alle Mitglieder meiner Familie dabei sein oder genügt es, wenn ich alleine komme?
Sollen bei Partnerproblemen beide Partner dabeisein?
Wie oft soll man aufstellen?
Kann es nach einer Aufstellung zu Verschlechterungen z.B. einer Krankheit kommen?
Anmerkung: Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit wird auf eine geschlechtsspezifische Differenzierung, wie z.B. Teilnehmer/Innen, verzichtet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung für beide Geschlechter."
Wie erkenne ich einen guten Aufsteller, eine gute Aufstellerin?
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Es gibt heute hunderte, wenn nicht tausende Aufsteller allein im deutschsprachigen Raum und weit darüber hinaus. Wenn

ein lösungswilliger Klient sich auf seine eigene Wahrnehmung verlässt, sagt ihm sein „Bauch“, ob er bei einer bestimmten Person gut aufgehoben ist. Es besteht die Möglichkeit, zum Kennenlernen zuerst als Darsteller teilzunehmen, bevor man selber eine Aufstellung macht. Das ist eine gute Möglichkeit, sich auf die Person, die das Seminar leitet und die Aufstellungen durchführt, einzustimmen, und – wenn es sein muss – kann man sich auch ohne Bedauern wieder verabschieden. Manchmal will der Klient gar keine Lösung, dann findet er auch einen Therapeuten, der nicht wirklich eine Lösung will. So bewegt sich nur wenig und mancher Klient wundert sich darüber. Oft wird dann die Methode verteufelt und das finde ich unendlich schade.
- Grundsätzlich macht jeder Aufsteller es so gut, wie er es kann. Mit Können meine ich das Maß an Talent, das jemand von seiner Natur her mitbringt, denn das Wissen um die Theorie und das Beherrschen des Handwerks allein machen noch keinen guten Aufsteller aus. Ein Zuhörer bei einem meiner Vorträge meinte einmal: "Wenn einer es schon 1000 mal gemacht hat, heißt das noch lange nicht, dass er es auch kann." Dem kann ich nur beipflichten.
- Ein guter Aufsteller lässt sich beim Vorbringen des Anliegens auf seine eigene Wahrnehmung über Ohr und Auge ein. Die Fähigkeit, die Quintessenz einer Situation zu erfassen und sich darauf zu verlassen, statt in Gedanken ein Hellinger-Buch aufzuschlagen (diese Dynamik, daher diese Lösung) haben nicht alle Aufsteller. Sehr viele sind Nachahmer geworden ohne eigene Quelle. Sie können nur so viel, wie sie gelesen haben. Hellinger hat das so formuliert: "Musik, die uns gefällt, können wir deswegen nicht auch schon spielen."
- Ein guter Aufsteller sollte daher im Klienten auch sich selbst begegnen, so ist beiden geholfen. In einer Geschichte, die Hellinger geschrieben hat, steht sinngemäß: Der Aufsteller führt den Klienten dorthin, wohin er selber muss. BEIDE sind Hörer und die Antwort ist auch für beide.
- Schweigen und Stille auszuhalten, zeichnet einen guten Aufsteller aus.
- Ein guter Aufsteller hat keine Angst vor dem, was da kommen könnte. Er kennt seine Grenzen und lässt auch einmal von einem Anliegen ab, wenn es diese Grenzen überschreiten würde, zum Schutz der Betroffenen.
- Ein guter Aufsteller geht in gesammelter Haltung an die Arbeit. Er braucht kein „Brimborium“ wie Kerzen, Blümchen, Edelsteine, Musik, „Sammlungsrituale“ oder sonstiges „Beiwerk“. Vorsicht ist auch geboten, wenn zu viele "Meditationen" gemacht werden. Das ist ein machtvolles Mittel zur Erreichung von Konformität. In meinen Seminaren geht es darum, dem Einzelnen während seiner Aufstellung den größten Raum zu geben, dabei aber den Blick auf die Gruppe nicht zu verlieren. Die Arbeit mit den Einzelnen ist Anstoß genug für die anderen Teilnehmer, auf die Bewegungen der eigenen Seele zu achten, denn die Zuseher schwingen mit bei den Lösungen der anderen. Dies ist es, was am Ende allen Teilnehmern dient.
- Das einzige "Hilfsmittel" das ich verwende, sind Geschichten, die ich vorlese, der Situation angepasst. Geschichten sprechen die Seele an und bringen Lösungswillige über eine Handlung im Aussen dennoch zu sich selbst. Diese Geschichten sind nicht zwingend von Hellinger.
- Ein guter Aufsteller sammelt eine Gruppe mit Achtung und Respekt, aber wenn nötig auch mit Strenge. Erst die Strenge bringt den Ernst der Lage zum Ausdruck. Es geht bei Aufstellungen sehr oft ans „Eingemachte“ und da sind „Spielchen“ nicht angebracht. Ebenso ist eine guter Aufsteller in der Lage, rechtzeitig zu erkennen, wann die Spannung zu groß wird und mit einem „Witz“ ein wenig Spannung wegzunehmen oder eine Pause einzulegen.
- Einem guten Aufsteller passiert es nicht, dass Darsteller in Rollen verhaftet bleiben. Nur wer zu wenig Kraft hat, dem entgleitet der Prozess.
- Ein gute Aufsteller verträgt es, wenn aus der Gruppe konstruktive Kritik kommt, die der Lösung dient. Er kann unterscheiden, was dient und was schadet. Das gilt auch für Fragen. Reine Neugierde darf keinen Raum bekommen.
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Sollen alle Mitglieder meiner Familie dabei sein oder genügt es, wenn ich alleine komme?
Auf der Seelenebene sind alle Mitglieder eines Familien-Systems miteinander verbunden. Die stärkste Bindung ist jene zwischen Eltern und Kindern. Kinder zeigen oft durch ihr Verhalten oder eine Krankheit auf, was an Ungelöstem in einer Familie nach Lösung verlangt. Sorgen-Kinder sorgen dafür, dass etwas in Bewegung kommt.
- Es kann jeder erwachsene Mensch nur für sich zu einer Lösung kommen. Es genügt, wenn ein einzelnes Mitglied einer Familie beginnt, sich auf den Weg zu machen, für sich Lösung zu wollen. Häufig kommen dann auch andere Familienmitglieder in Bewegung ohne zu wissen, was eine Schwester, ein Bruder, eine Mutter, ein Vater geordnet hat. Man kann sich das vorstellen, wie ein Mobile. Wenn ein Teil sich bewegt, geraten auch die anderen in Bewegung. Eltern sind aber verantwortlich für minderjährige Kinder. Eltern können sich mit Hilfe von Aufstellungen anschauen, was ihre Kinder veranlasst, sich im Alltag auffällig zu verhalten oder warum sie krank sind. Die Arbeit wirkt an den Kindern, wenn die Eltern sich dieser Verantwortung stellen, es ist also nicht erforderlich, dass Kinder dabei sind. Häufiger kommen die Mütter als die Väter, weil die Mütter die engere Bindung an die Kinder haben und eher mit Kinder-Problemen konfrontiert sind. Jedes Kind hat Mutter UND Vater, und es ist am besten, wenn sie als Eltern zur Aufstellung gehen, weil eine verborgene Dynamik ja aus beiden Herkunftsfamilien herrühren kann.
Sollen bei Partnerproblemen beide Partner dabeisein?
Partnerprobleme werden am besten gemeinsam betrachtet. Häufig wird dabei zurückgegangen in die jeweilige Herkunftsfamilie. Wenn Partner sehen, was den anderen aus seiner Herkunftsfamilie belastet hat, kann ein tiefes Mitgefühl entstehen und die Bereitschaft, gemeinsam herauszufinden aus einer schwierigen Situation hin zu einer neuen Beziehungsqualität. Manchmal trennen sich Paare nach einer Weile. Auch das kann gemäß und entlastend sein. Eine unvermeidliche, aber geordnete Trennung ermöglicht das Loslassen des anderen und das Übernehmen des eigenen Anteils der Verantwortung für die Trennung. Gibt es Kinder aus dieser Beziehung, bleibt das Paar aber Eltern dieser Kinder mit der vollen Verantwortung bis sie erwachsen sind. Dies gelingt umso besser, je geordneter die Trennung als Paar vollzogen wurde.
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Wie oft soll man aufstellen?
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Aufstellungen wirken bis zu zwei Jahren, manchmal auch länger oder kürzer. Es kann nicht festgemacht werden an der linearen Zeit, denn die eigentliche Arbeit nach einer Aufstellung geschieht auf der Seelenebene. Die Seele kennt nicht Zeit und Raum. Wer der Wirkung des Lösungsbildes vertraut, erkennt aus sich heraus, wann die Lösung in der Wirklichkeit sich zeigt. Mancher fällt wieder zurück ins Alte, bis ihm das Leiden wieder zu viel wird. Dann macht er sich erneut auf den Weg. Wir lernen Gehen durch Fallen. Heilung ist wie eine Bergstraße mit Schlaglöchern (G.Eick).
Viele Menschen haben im Laufe ihres Lebens ein großes Maß an fremden Lasten auf sich geladen. Wenn eine „Schicht“ abgetragen ist, tauchen manchmal noch eine oder auch mehrere weitere ungelöste Erlebnisse auf. Dann ist es Zeit, erneut das innere Bild nach aussen zu stellen. Ein guter Aufsteller erkennt, ob der Betroffene noch in der Wirkung einer Aufstellung steht, oder ob eine neue Arbeit gemäß ist. Am besten setzt man sich telefonisch in Verbindung mit dem Aufsteller. Manchmal genügt ein Satz, damit der Betroffene wieder seinen Weg alleine findet, manchmal wird eine Nacharbeit gemacht vor allem wenn Informationen aufgetaucht sind, die beim ersten Mal noch nicht bekannt waren. Es gibt hier keine Generalisierung weil jeder Mensch ein Individuum ist mit seinem eigenen Lebenstempo.
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Manche Menschen machen das Aufstellen zu einem „Sport“.
Sie werden fast süchtig danach. Eine solche Haltung wird der Größe dieser Arbeit nicht gerecht, sie wird sogar missbraucht. Wer zu oft aufstellt, hat kein Vertrauen in die Wirkung einer Einzelarbeit. Ein Gärtner, der einen Samen sät, vertraut der Natur. Er wartet, bis die Frucht sich zeigt. Es kann jedoch hilfreich sein, nach einiger Zeit an einem Seminar nur als Darsteller teilzunehmen, denn manchmal zeigt eine Rolle, in die man gestellt wird, oder eine Aufstellung, bei der man nur zuschaut, wohin die Richtung der eigenen Seele geht. Die Seele führt die Gruppen zusammen. Einer ist auf dem Weg ein Stück voraus, der ist UNS hilfreich, ein anderer geht noch hinter uns, für DEN sind WIR hilfreich. Wir wachsen aneinander, weil wir unterschiedlich sind.
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Kann es nach einer Aufstellung zu Verschlechterungen z.B. einer Krankheit kommen?
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Ja, denn durch die Aufstellung kommen manchmal Symptome, die vielleicht medikamentös unterdrückt waren, wieder in Bewegung. Das nennt man in der Homöopathie Erstverschlimmerung. Je mehr die WIRKLICHE Bereitschaft, fremde Lasten zurückgeben zu wollen, gegeben ist, desto rascher ziehen sich die Symptome zurück. Wer auf seinem richtigen Platz steht innerhalb der Familie, ist auf einem heilsamen Weg. Aufstellungsarbeit bringt einen Ausleitungsprozess in Gang. Oft greift nach einer Aufstellung eine Behandlung, die bisher kaum Wirkung zeigte.
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Wir gehen ja den Lösungsweg von der Gegenwart aus rückwärts. Schicht um Schicht kommen manchmal alte Symptome wieder zum Vorschein, die wir für geheilt hielten. Symptome am Körper sind immer Ausdruck einer „Krankheit“, die darunter liegt. Die "Krankheit hinter der Krankheit" ist das, was beim Aufstellen ans Licht kommt. Die Seele ist unsere Führungsinstanz und "benutzt" manchmal eine Krankheit, damit wir einen fremden Weg verlassen, um wir selbst zu werden. Echte Heilung kann auf dieser Ebene anhaltend sein, sodass Symptome häufig nicht wiederkommen. Die darunterliegende Krankheit ist die Wurzel, die Symptome sind die Blätter. Blätter sind nur FOLGE einer Wurzel. Keine Wurzel, keine Blätter.
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Hildegard von Bingen hat einen schönen Satz gesagt über Therapie:
DIE SEELE DER THERAPIE IST DIE THERAPIE DER SEELE
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Ausdrücklich betonen möchte ich, dass Aufstellungen KEIN ERSATZ SIND für ärztliche Behandlungen. Sie zeigen nur die möglichen Hintergründe von Beschwerden auf. Das unterstützt aber häufig den Erfolg einer Behandlung und manchmal erübrigt sich weitere Behandlung sogar.
- Ich habe selbst ein halbes Jahr nach einer Aufstellung eine Sekundenheilung von 20 Jahre andauernden Rückenschmerzen erlebt, als ich deren URSACHE gefunden hatte. Sie kamen bis heute nie mehr wieder.
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